The hour I first believed (2) - Segen


Was ist Segen? Wahrscheinlich denken viele Christen beim Segen an ein erfolgreiches Erlebnis, an einen Menschen der mit Reichtum und Gesundheit beschenkt ist. Einen armen Mann ohne Erfolg im Beruf würden wir wohl kaum gesegnet nennen, oder jemanden, dessen Herz gebrochen ist, oder jemanden, der einen schweren Unfall hatte. Wir würden den Propheten Jeremia, der vierzig Jahre ohne Erfolg gearbeitet hatte, weil das Volk Israel nicht bereit war, umzukehren, wohl kaum gesegnet nennen. Oder doch? War nicht auch Abraham mit einer großen Nachkommenschaft gesegnet, ohne sie zu Lebzeiten zu sehen? Man kann Segen nicht mit unverzögertem Erfolg gleichsetzen. Und so entdecken wir den Segen Gottes oft nicht, weil wir der Meinung sind, bei einem gesegneten Menschen würde sich alles augenblicklich zum Besseren wenden. Ein Mensch aber, der die tiefe Gewissheit hat, dass er von Gott gesegnet ist, dass Gott ihn wohlwollend und fröhlich ansieht, der wird auch im Elend wissen, dass Gott ihn nicht verlassen hat, denn Er hält sein Wort.
Ich bin darin guter Zuversicht, dass der in euch angefangen hat das gute Werk, der wird's auch vollenden bis an den Tag Christi Jesu.                              - Philipper 1, 6
Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. - Psalm 33, 4
Gefallen hat der Herr an denen, die ihm mit Ehrfurcht begegnen und voller Zuversicht darauf warten, dass er seine Güte zeigt.                                 - Psalm 147, 11

2014 

Mir sagte man, ich bräuchte Vergebung. Natürlich war ich vor Gott schuldig, ich konnte es nur nicht sehen. Niemand hatte es mir gezeigt. Und so war ich auch blind für Gottes Liebe. "Gott liebt dich" - ein hohler Satz, "Gnade" - ein fremdes Wort, Heilung - unmöglich! Wo waren die Menschen, die mir meine Fragen beantworten konnten? Antwort: Sie hatten Antworten auf die falschen Fragen. Antworten auf die falschen Fragen zu haben, heißt keine Antworten zu haben. Resultat: Verlassenheit, Ungewissheit, Zorn. (Tagebucheintrag: 15. Dezember '13)

Letztes Jahr erkannte ich, wie viel die Scheidung meiner Eltern in mir zerstört hatte. Der Hass auf meine Eltern hatte sich tief in meinem Herzen eingenistet und ich wusste, dass ich damit vor Gott ein Mörder war (siehe auch Post vom Dezember 2013: Warum Weihnachten ein Fest ist!). Ich wusste, dass ich ihnen vergeben musste und das diese Vergebung weh tun würde.
Wenn es wahr ist, dass wir für Christus leiden müssen, stellt sich mir doch die Frage: Wie kann ich das wollen? Oder überhaupt jemand wollen? Für Gott dieses vorübergehende Leid durchzumachen. Sich als lebendiges und heiliges Opfer darbringen. Denn das hat Jesus auch getan! Wenn man einmal den Punkt erreicht hat, an dem man versteht und fühlt, dass das Leben ohne Gott keine Antwort auf unser Suchen geben kann, drängen unweigerlich und automatisch alle Fragen zu der einen Frage: Hat es Sinn, Christus nachzufolgen? Und wie kann man Christus mit Hingabe nachfolgen? (Tagebucheintrag 9. Februar '14)

Meine Gefühle fasste ich damals folgenderweise zusammen:
Mein Herz fühlt sich an, als wäre es zerrissen, in der Hand zerknüllt und weggeschmissen worden und ich weine und mache mir Gedanken. Kränkung ist ein bitteres Gift, ein Krampfen und Ätzen der Seele, ein Biss scharfer Zähne ins Fleisch. Kränkung ist Hass. Kränkung ist schwarze Bosheit und eine Diebin der Zuversicht. Kränkung sticht und ist unbarmherzig. Kränkung ist eine Sense und eine Richterin jedes Fehlers. Kränkung ist die große Spötterin über alle Schmerzen. Gekränkt-Sein heißt auf Stein zu beißen und ist ein Knirschen mit den Zähnen. Es ist ein Zermalmen und Zermalmt-Werden.

Ich wollte wissen, warum es so schwer ist, die Härte unserer Herzen zu sehen und abzulegen, aber auch die Gleichgültigkeit und den blinden Ärger. Kann man der Verletzlichkeit entkommen, die blendet? Kann man nicht zuallererst auf das Herz des Menschen sehen lernen, anstatt auf seine Fehler? Kann man sehen, wie der Mensch wirklich ist? Ist es möglich, sich gegenseitig zu kapieren? Ich wollte nicht länger von meinen Gefühlen beherrscht werden und sah auf Christus, der auch für die Fehler meiner Eltern gestorben war. Er hatte ihnen vergeben, Er war auch für sie gestorben. Als ich mir das vor Augen hielt, sah ich meine Mutter und meinen Vater in einem anderen Licht: ich sah, wie sehr sie Christus brauchten! Wie groß musste ihre Sehnsucht nach seelischer Heilung gewesen sein, als sie sich voneinander trennten? Wie sehr mussten sie sich nach dem Segen Gottes gesehnt haben und nach dem zuversichtlichen Glauben, dass Gott sie noch immer liebte?

... Fortsetzung folgt

The hour I first believed (1)

Wenn ich genauer darüber nachdenke, ist meine Familie ganz schön zerbrechlich und zerbrochen. Meine Eltern heirateten, als meine Mutter noch gar nicht entschieden war, Christus nachzufolgen. Selbst dann, als sie sich bekehrte, wurde bei uns zu Hause nie über den Glauben geredet, bis ihre Ehe, aufgrund des Alkoholismus' meines Vaters und der tiefen Verletzungen und Kränkungen meiner Mutter aus ihrer Kindheit, zerbrach und sie sich schließlich scheiden ließen. Damals waren meine Schwester und ich ungefähr sieben bzw. fünf Jahre alt. Den Vater meiner Mutter habe ich als sehr zurückgezogen und verschlossen in Erinnerung, der nach dem zweiten Weltkrieg vielleicht nie richtig ins Leben zurück gefunden hatte. Ich musste um die dreizehn oder vierzehn Jahre alt gewesen sein, als er während eines Krankenhausaufenthaltes vom Balkon sprang und sich das Leben nahm. Meine Schwester kämpft noch immer mit seelischen Wunden, die sich im Laufe ihres Lebens angesammelt haben und versucht ihrem Leben Sinn durch ein Gefühl zu verleihen, das sie mit allem Möglichen herbeizuführen versucht: LSD, Meditation, östliche Philosophie, DMT u.a. 
Und ich selbst? Ich weiß noch, wie ich mit fünfzehn bei Nacht und in völliger Isolation in meinem Bett lag und das Fenster anstarrte und mir dachte: So muss sich die Hölle anfühlen. Mit 18 Jahren schrieb ich eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Fragmente eines Verlorenen" (ich habe noch 11 gebundene Exemplare davon zu Hause: Bestellung ist also möglich) - eine ziemlich traurige Geschichte über einen Wissenschaftstheoretiker, der keinen Grund findet, an etwas festzuhalten und zu glauben, der kein Ziel hat und mit seinen Gedanken kämpft. In Wahrheit war diese Geschichte, als ich sie schrieb, ein Spiegelbild meiner Seele gewesen. Ich kenne das Gefühl totaler Einsamkeit und tiefer Verlassenheit. Dieses Gefühl verfolgte mich bis ins Jahr 2013. Kann ein Mensch Gottes Liebe verstehen, der von seinen Gefühlen gepeinigt wird?

2013

Ende April, 23.00 Uhr: Auf dem Weg von Hagenbrunn nach Hause kniete ich erschüttert zwischen den Feldern und bat Gott um Weisheit und eine Richtung, in die ich gehen konnte.
Am 12. Mai las ich Jeremia 2, 13 und 19b und verstand: ich hatte mich Gott nicht zugewandt, er war mir ein Fremder und ich verbrachte meine Tage auch weiterhin in Verlassenheit. Ich musste mich Ihm zuwenden, um aus dieser Sackgasse herausgerissen werden zu können:
Denn zweifach Böses hat mein Volk begangen: Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten.
Erkenne doch und sieh, dass es schlimm und bitter ist, wenn du den HERRN, deinen Gott, verlässt und wenn bei dir keine Furcht vor mir ist!, spricht der Herr, der HERR der Heerscharen


Ich gab mich nicht damit zufrieden, dass ich Gottes Liebe nicht begreifen konnte - ich fand mich nicht damit ab, dass Er mir ein Fremder war. Mein Blick kannte den Ort nicht, an dem Gottes Liebe war. Ich sah nur die Härte meines Herzens, meine Kälte und Zurückgezogenheit, die Verletzungen die in mir wimmelten und die ich niemandem zeigen wollte, aus Angst und Enttäuschung. Ich war wie jemand, der das Leben nicht kannte, der das Leben treffen wollte, der das tiefe Drängen verspürte, einen Schatz bergen zu müssen: Gottes Liebe. Ich wusste, dass Gottes Liebe nicht bloß Theorie war und wollte zu Gott durchdringen:

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! - Psalm 34, 9

Am 7. November sprach ich ein entschlossenes Gebet:
Ich möchte, dass Du mit Macht und furchtbarem Gedonner in mein Leben eindringst, damit ich vor Dir zittere. Denn anders scheine ich keine Ehrfurcht vor Dir zu begreifen. Die Festung um mein Herz muss erobert und zerschlagen werden.

Zu dieser Zeit schrieb ich einige Sprüche:
Wer sich selbst bedauert, erblindet, und auf Dauer nimmt das Bedauern kein Ende // Vergiss nie, wie unbeschwert und fröhlich ein junger Mensch im Grunde seines Herzens ist, denn diese Leichtigkeit ist das ungetrübte Geschenk Gottes an seine Kinder // Es gibt keinen größeren Gewinn, als für Gott alles aufzugeben, weil es keine größere Liebe als die Liebe Gottes gibt // Die ganze Schöpfung ist auf Gott ausgerichtet, weil Er die ganze Schöpfung auf sich ausgerichtet hat, damit sein Name in Ewigkeit verherrlicht wird


Trotzdem hatte die Wahrheit dieser Sprüche mein Herz noch nicht erreicht. An manchen Tagen packte mich tiefe Niedergeschlagenheit, die so stark war, dass ich fürchtete, den Glauben aus Enttäuschung und eigenem Unfrieden einmal aufzugeben, dass ich dann mit Nietzsche sagen würde:

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.
[...]
Weh dem, der keine Heimat hat!
(Friedrich Nietzsche, Ausschnitt aus "Vereinsamt") 

 ... Fortsetzung folgt

Warum Weihnachten ein Fest ist!

Die Geburt von Jesus hat mich früher nie berührt; es hat mir nichts bedeutet. Wir kennen alle die uns bekannten Verse, dass Gott seinen eingeborenen Sohn sandte, zur Erlösung unserer Schuld. Was ich nicht begreifen konnte: Wie betraf mich das überhaupt? Welche Schuld hatte ich denn vor Gott? Ich konnte an keine große Schuld denken, die ein Grund gewesen sein könnte, dass Jesus selbst auf die Erde kommt. Für mich hätte er nicht kommen müssen! Dachte ich zumindest...

Mit ca. sechs Jahren ließen sich meine Eltern scheiden und ich begann, wenn ich es auch nicht merkte, meine Eltern zu hassen. Ich habe meine Mutter gehasst: Für die Einsamkeit meiner Kindheit, für die vielen Kränkungen - und meinen Vater habe ich gehasst: Dafür, dass man mich mit all den ungelösten Fragen und meiner Verwirrung in Kopf und Herz allein gelassen hatte. Wer war ich damit vor Gott? War ich wirklich so schuldlos, wie ich es dachte?


Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder; und ihr wisst, daß kein Mörder ewiges Leben bleibend in sich hat. - 1. Johannes 3, 15

Hätte ich es also die Gegenwart eines unfehlbaren und heiligen Gottes verdient? Wie denn?! Vor Gott war ich ein Mörder. Und wäre es nicht berechtigt gewesen, mich als Mörder zu verurteilen, dafür, dass ich einen Menschen gehasst habe? Ich hätte eigentlich ein ziemlich hartes Urteil verdient. Und jetzt kommt das Unvorstellbare: Dieser Gott, der das Recht hätte, mich als Mörder zu verurteilen und zu richten, wird selbst Mensch und ist noch dazu ...

... nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben - Matthäus 20, 28

Gott wird Diener aller anderen und ein Schuldopfer für viele, damit ein Mörder gerettet werden kann! Irgendwo in einem kleinen, abgelegenen Stall wird Er geboren. Gott wird der Diener eines Mörders! Darum feiere ich die Geburt von Jesus. Darum ist Weihnachten ein Fest.




Von Einsamkeit zur Anbetung - Von Anbetung zur Liebe

Anbetung ist, wenn sie von uns richtig verstanden und gelebt wird, die einzige Möglichkeit die Einsamkeit vollständig zu überwältigen. Ich habe die Einsamkeit in einem früheren Post schon sehr ausführlich beschrieben - ich glaube es lohnt sich trotzdem, noch einmal einen Blick auf das Problem der Einsamkeit von einem anderen Standpunkt zu werfen.

Der Romanautor Thomas Wolfe fasst vielleicht einen der größten Schmerzen des menschlichen Herzens in folgende Worte:

Meine ganze Lebensüberzeugung beruht heute auf dem Glauben, dass Einsamkeit keineswegs ein seltenes, seltsames Phänomen ist, das sich auf mich und vielleicht ein paar andere Einzelgänger beschränkt, sondern dass es das zentrale und unvermeidliche Merkmal der menschlichen Existenz ist. All diese furchtbaren Zweifel, diese Verzweiflung und finstere Verwirrung der Seele muss ein einsamer Mensch kennen, denn er ist mit keinem Bild vereint außer mit dem, das er sich selbst schafft. Er ist ausstaffiert mit keinem anderen Wissen als mit dem, das er sich selbst durch seine eigenen Augen und sein Gehirn ansammeln kann. Er wird von keiner Partei getragen und angefeuert und unterstützt. Er findet Trost in keinem Glaubensbekenntnis. Er hat keinen Glauben in sich außer seinem eigenen, und selbst dieser Glaube lässt ihn oft in Stich, sodass er erschüttert und ohnmächtig zurückbleibt. Dann scheint es ihm, das bei seinem Leben nichts herausgekommen ist. Dass er ruiniert ist, verloren und gebrochen, nicht mehr zu retten, und dass der Morgen, jener helle und strahlende Morgen mit seiner Verheißung und seinem Neuanfang, nie wieder auf die Erde kommen wird, wie er es einst tat. - (Thomas Wolfe, "God's Lonely Man", in The Hills Beyond)

Die Einsamkeit ist nicht nur ein Problem fehlenden Glaubens. Wenn sich zwei Menschen begegnen, dann berühren sie sich meistens nur an ihrer Oberfläche. Man sieht sich, man trifft sich, man geht wieder auseinander. Natürlich gibt es auch tiefere Beziehungen. Vielleicht hast du so einen Menschen, der in dir etwas bewegt, der mehr ist als nur ein Oberflächenkontakt, der sozusagen unter die Haut geht.
Und doch können wir den anderen nie ganz erreichen. Genauso wenig, wie ich die Blutgefäße und Knochen meiner Hand sehe, kann ich meinen Freund oder meine Freundin sehen. Meine Hand ist sogar noch einfacher zu erforschen als ein Mensch. Ich kann sie röntgen und aufschneiden. Beim Menschen kommt aber zur Dimension des Materiellen noch was dazu: Das Geistige!
Vielleicht empfindet der andere etwas viel tiefer als ich, oder gar nichts, und er kann mich gar nicht verstehen. Vielleicht brennt im anderen ein Schmerz oder eine Sehnsucht oder eine Freude und eine Begeisterung. Genau das zu empfinden, was ein anderer fühlt, bleibt uns irgendwie verschlossen. Selbst wenn wir alle geheimen Gedanken aussprechen, die wir haben, wenn wir alleine sind, können wir weder sehen noch schmecken noch riechen, wie tief die Seele des anderen ist. Dafür haben wir keinen Maßstab.

Aber woran liegt das? Liegt es daran, dass wir nicht genug lieben? Liegt es daran, dass wir nicht genug Gemeinschaft miteinander haben und uns deswegen nicht ganz erreichen? Oder liegt der Grund aller Einsamkeit darin, dass weder andere Menschen noch Gott genügend Bemühungen anstellen, zu uns vorzudringen, sondern dass wir selbst es waren, die Gott verlassen haben?

D. H. Lawrence bringt das auf den Punkt:
Wir reden uns gerne ein, dass die Liebe die Wurzel des Problems unserer inneren Leere sei. Ich möchte Ihnen sagen, das ist sie nicht. Die Liebe, das sind nur die Zweige. Die Wurzel geht viel tiefer als die Liebe. Eine Art nackter Isolation. Ein isoliertes Ich, das niemanden begegnet und sich mit niemandem vereint und es auch niemals kann. Es ist wahr, was ich sage. Da ist ein Dahinter in mir, das weiter geht als die Liebe, weiter als die Bahnen der Sterne. So wie manche Sterne jenseits der Reichweite unserer Augen liegen, so geht unsere Suche über die Reichweite der Liebe hinaus. Zumindest glaube ich, dass es die Wurzel ist und über die Liebe hinaus geht. - (D.H. Lawrence, Quelle unbekannt)

Anbetung ist mehr als Liebe. Anbetung ist mehr als "Halleluja" zu singen und mehr als der Ausdruck der Dankbarkeit. Wir können all diese Dinge tun und trotzdem folgt daraus nicht, dass wir anbeten. Warum? Anbetung hat viel mehr etwas mit der Wichtigkeit desjenigen zu tun, der angebetet wird. Bevor wir Gott überhaupt anbeten können, müssen wir Ihn an die erste Stelle unseres Lebens setzen. Das kostet uns aber auch etwas!
Soweit ich weiß, kommt Anbetung in der Bibel zum ersten Mal in der Geschichte Abrahams vor, der seinen Sohn als Opfer darbringen soll. Abraham begann seinen Sohn mehr zu lieben als Gott, er drohte Gott zu vergessen und Gott schritt ein. Ich kann mich an keine Zeit als die heutige erinnern, in der wir die Dinge, die wir zu besitzen glauben, mehr geliebt haben als Gott, aber nicht nur die Dinge, sondern auch uns selbst. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der wir einsamer sein könnten, als umgeben von all den Dingen und dem kleinen Gesichtsfeld unserer Augen. Die Anbetung jedoch verstreut sich nicht in tausend Nebensächlichkeiten die uns früher oder später langweilen und verlassen - sie konzentriert das Leben des Anbeters auf einen einzigen Punkt! Denn als von Gott geschaffene Menschen sind wir auch auf Gott ausgerichtet, und so finden wir zuallererst Erfüllung in Gott, nicht in den angenehmen und unterhaltenden Dinge des Lebens oder unserem Können.

In der Anbetung erfahren wir die Gegenwart Gottes, wir erfahren ein Stück der unbegreiflichen, ewigen Dimension Gottes. Wir können uns nicht vorstellen, dass Gott schon ewig da war und ohne Anfang ist. Wir können uns nicht vorstellen, dass er uns vollständig durchschaut. Die Ewigkeit Gottes ist ein Mysterium, das wir in der Anbetung erfahren dürfen und diese Begegnung mit der Ewigkeit Gottes, mit dem überwältigenden Staunen das uns überkommt, wenn wir Gottes unermessliches Wesen und seine Schöpfung  betrachten, ist eine der größten Erfüllungen des menschlichen Herzens.

Zuguterletzt drängt uns die Erfüllung, die wir in hingebungsvoller Anbetung erfahren, dazu, uns an andere zu verschenken. Die heilsame Wirkung der Anbetung gegen die Einsamkeit bleibt nicht bei mir allein stehen! Sie drängt uns dazu, uns auch anderen in ihren Nöten zuzuwenden.

Die Anbetung ist das A und O unseres Lebens als Christen. Anbetung ist der entscheidende Unterschied, der die Nähe zu Gott ausmacht:
Herr, du durchschaust mich,  du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe - du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke. Ob ich gehe oder liege - du siehst mich, mein ganzes Leben ist dir vertraut. Schon bevor ich rede, weißt du, was ich sagen will. Von allen Seiten umgibst du mich und hälst deine schützende Hand über mir. Dass du mich so genau kennst - unbegreiflich ist das, zu hoch, ein unergründliches Geheimnis! ... Du hast mich geschaffen - meinen Körper und meine Seele, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast - das erkenne ich! Schon als ich im Verborgenen Gestalt annahm, unsichtbar noch, kunstvoll gebildet im Leib meiner Mutter, da war ich dir dennoch nicht verborgen. Als ich gerade Form annahm, hast du diesen Embryo schon gesehen. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben - noch bevor einer von ihnen begann! ... Durchforsche mich, o Gott, und sieh mir ins Herz, prüfe meine Gedanken und Gefühle! Sieh, ob ich in Gefahr bin, dir untreu zu werden, dann hol mich zurück auf den Weg, der zum ewigen Leben führt! - (Psalm 139, 1-6; 13-16; 23-24) 

it goes on... neues Semester!

 
YEAH! Danke Marius für den neuen Jeens-Flyer!
Ich freu mich schon auf den Input [Gemeinschaft rockt] am Samstag, ein spannendes Thema, mit dem wir so oft konfrontiert sind=) Sei dabei!
und diesmal gibt's sogar ein gemeinsames Abendessen nach Jeens (ca. gegen 19.00 Uhr)

 
 

Widersprüche im Widerspruch (1)

Endlich fange ich damit an, über die Fragen zu schreiben, die mich eigentlich schon seitdem ich angefangen habe an Gott zu glauben, beschäftigen. Die nächsten drei Beiträge handeln deshalb von Widersprüchen und Zweifeln am Christentum, die in sich widersprüchlich sind (und hoffentlich kommen die geplanten Beiträge auch zustande).

Ich fange mit einem Klassiker an:

"Weil Gott Böses zulässt, kann es ihn nicht geben."

Sehen wir uns die Frage genauer an. Eine Stelle aus "Sehnsucht des Herzens" von Ravi Zacharias (dessen Bücher ich nur sehr empfehlen kann) entlarvt den Kern der Frage als widersrprüchlich. Während eines Vortrages in Nottingham stellte eine ziemlich aufgebrachte Person folgende Frage an Herrn Zacharias:

"Es kann unmöglich einen Gott geben angesichts all des Bösen und des Leidens, das es in der Welt gibt!"
Der Vortragende antwortete: "Wenn Sie sagen, dass es so etwas wie das Böse gibt, setzen Sie damit nicht voraus, dass es so etwas wie das Gute gibt?"
"Natürlich", gab er zurück.
"Aber wenn Sie voraussetzen, dass es so etwas wie das Gute gibt, setzen Sie damit nicht auch gleichzeitig voraus, dass es so etwas wie ein moralisches Gesetz gibt, auf dessen Grundlage zwischen dem Guten und dem Bösen zu unterschieden wird?"
"Ich denke schon", kam die Antwort etwas zögerlicher und leiser.
"Wenn es also ein Moralgesetz gibt, müssen Sie auch einen Moralgesetzgeber postulieren. Aber den wollen Sie ja gerade widerlegen, indem Sie seine Existenz abstreiten. Wenn es keinen Moralgesetzgeber gibt, gibt es auch kein Moralgesetz. Wenn es kein Moralgesetz gibt, dann gibt es weder das Gute noch das Böse. Dann weiß ich aber nicht so recht, wie Ihre Frage lautet!"
Es herrschte Schweigen und dann sagte er: "Wonach frage ich Sie denn dann?" Die Komik der Situation war offensichtlich. Deutlich erschüttert stellte er fest, dass im Kern seiner Frage eine Voraussetzung lag, die seiner eigenen Schlussfolgerung widersprach. Der Skeptiker muss nicht nur eine Antwort auf seine eigene Frage geben, sondern auch die Frage selbst rechtfertigen, wenn er ernst genommen werden will.
(zitiert aus: "Sehnsucht des Herzens", Ravi Zacharias, Seite 92-93, Hervorhebungen von mir)

Gottes Sinn für Schönheit

Ein Spaziergang im Regen auf der Donauinsel ist ein Erlebnis, dass allein durch Worte unmöglich erlebbar gemacht werden kann. Ich versuche es trotzdem. (Mit ein paar Hilfsmitteln)

















Als ich die Straßenbahn verlasse und den naß-glänzenden Asphaltweg zum Fußballplatz betrete, decken die dicken Wolken den Himmel mit mattem Grau-Blau zu, während hinter dem Milleniumstower die Wolkenwand zereißt und in gold-gelben Ton der anbrechenden Dämmerung vorbeizieht. Der Regen füllt die Atmossphäre wie ein Nebel und lässt alle Farben wie durch ein trübes Glas leuchten.

Die Luft duftet nach nassem Gras und kalter Erde -
Warum gibt es eigentlich kein Parfum, das nach nassem Gras duftet?

Auf dem Wasser des neuen Donaukanals schläft eine einsame Insel aus blauen und weißen Plastik-Kontainern, allein durch einen dünnen Holzsteg zum satten Grün der zwischen den zwei Strömen emporragenden Donauinsel verbunden, während ein Mann mit seinem Kanu weiter Flußaufwärts unhörbar in meine Richtung paddelt - jedes Geräusch ist vom beständigen Prasseln des Regens verschluckt - die vorbei fahrendend Autos, die Straßenbahn ...

- alles wirkt geisterhaft, als befände es sich hinter einer unsichtbaren Glaswand ...

- alles ist still.

Nur ein nasses Rauschen ist zu hören - nur das "Patsch-Patsch" meiner auf Wasserlacken klatschenden Schritte.



Zwischen die Allee massiver Betonsäulen, die die U-Bahnstrecke trägt, prasselt der vom Wind getriebene Regen auf den Brückenboden, wo er wie glänzender Staub verweht wird. In einer Art von Schimmer-Effekt schweben tausend Tropfen entlang der Brücke, vergleichbar mit einem tanzenden Weizenfeld, dass sich wie
Wellen im Wind bewegt. Unter das gewaltige Rauschen der Blätterherde, neben dem "klatsch-ka-klatsch-latsch-ka-latsch-tsch" der aufschlagenden Tröpfchen mischt sich das bassmächtige Donnern der über mir fahrenden U-Bahn. Durch das Flussbecken der Donau strömen erdrückende Mengen von Wasser an mir vorbei, irgendwo ins Unendliche.